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Sensei im Bürochaos: Excel, Ordner & Co

Timo Herzberg 9 Min. Lesezeit
Sensei im Bürochaos: Excel, Ordner & Co

Immer wieder lerne ich Schulleiter kennen und bin dann im Erstgespräch erstaunt, wie viele ihre Kampfkunstschule tatsächlich noch mit Excel, Papierordnern, handschriftlichen Anwesenheitsbögen und einer WhatsApp-Gruppe organisieren. Trainingsausfälle, Prüfungstermine, Geburtstagsgrüße und die sechste Frage von Eltern zu einem anstehenden Event werden immer noch manuell bearbeitet. Und diese Kampfkunstschulen sind keinesfalls kleine Sparten in einem Turnverein, sondern Schulen mit 100 oder 200 Mitgliedern sowie mehreren Trainern an verschiedenen Standorten. Das Bürochaos ist vorprogrammiert.

Der Traum von der Kampfkunstschule: Dein Hobby wird zum Beruf

Ich selbst arbeite zwar seit über 15 Jahren mit diversen Softwarelösungen, um meine Schulen zu verwalten, aber ich verstehe sehr gut, wie es zu diesem Zustand in vielen Schulen kommt. In diesem Artikel zeige ich, was sich verändert, wenn du den Schritt zu mehr Digitalisierung wagst. Und zwar nicht nur im Büro, sondern auf jeder Ebene deiner Schule. Im Endeffekt ist der Grund dafür auch die Lösung: dein Traum war es eine Kampfkunstschule zu leiten und Kampfkunst zu lehren und nicht eine Bürofachkraft oder ein Social Media Marketer zu sein. Also: Fang an, dich auf deine Kernwerte zu konzentrieren und überlass die ungeliebten Aufgaben guten Prozessen, Systemen oder Dritten.

Die One-Man-Show

Es ist garnicht so lange her, als ein Schulleiter mir stolz seine Mitgliederliste zeigte, um sie in budoo.one zu importieren. Vierzehn Tabellenblätter, unzählige Formeln und ein ausgeklügeltes Farbsystem: Rot hieß Beitrag offen, Gelb hieß Prüfung fällig, Grün hieß alles in Ordnung. Ich war ehrlich beeindruckt, wie viel Arbeit in dieser Datei steckte. Ein anderer Schulleiter lässt all seine Schüler per Dauerauftrag überweisen und überprüft die Zahlungseingänge manuell per Kontoauszug. Da vergeht einem beim Zuhören schon die Freude an der Kampfkunst.

Und bei aller Ehrlichkeit gestehen die Schulleiter ein, dass dieses ausgeklügelte System an ihrer eigenen Person hängt. Sie selbst sind quasi nicht ersetzbar. Das System sind sie selbst. Und das ist eine Gefahr. Deshalb sage ich: „Ein System, das nur einer versteht, ist kein System. Es ist ein Risiko.“ Genau das ist der Kern des Problems. Excel, Ordner und Zettel sind nicht schlecht, weil sie altmodisch sind. Sie sind gefährlich, weil das Wissen deiner Schule in einzelnen Köpfen, Ordner und Listen liegt. Das bedeutet natürlich nicht, dass digitale Lösungen nicht ebenfalls einem Risiko unterliegen. Aber Sicherungen, gespiegelte Server oder DSGVO-konforme Cloudlösungen liefern ein Höchstmaß an Sicherheit. Außerdem sind die Daten so von "überall" abrufbar und nutzbar.

Darum überleben Excellisten so lange 

Die Gründe, warum so viele Schulen bei ihren Listen bleiben, sind auf dem ersten Blick absolut nachvollziehbar. Excel kostet scheinbar nichts, ist flexibel und jeder kann es mehr oder weniger bedienen. Die Schule ist mit diesen Werkzeugen gewachsen und es hat ja irgendwie immer funktioniert und... es wird auch weiterhin funktionieren, daran besteht kein Zweifel. Dazu kommt die Sorge, dass ein Umstieg aufwendig, teuer und kompliziert wird. Wer abends nach dem letzten Kindertraining noch die Matten wischt, hat verständlicherweise wenig Lust auf ein überdimensionales IT-Projekt.

Das Problem ist: Die Kosten von Excel tauchen auf keiner Rechnung auf. Rechne einmal ehrlich nach wie viel Zeit du pro Woche mit Listenpflege, dem Abgleich von Lastschriften, dem Abtippen von Anwesenheiten und dem Beantworten immer gleicher Nachrichten verbringst. Man landet schnell bei 5, 6 oder 8 Stunden. Nimm nur sechs Stunden pro Woche, dann sind das bei 50 Wochen rund 300 Stunden im Jahr. Das sind fast acht volle Arbeitswochen, in denen du nicht auf der Matte stehst, keine Probetrainings betreust und keine Gespräche mit deinen Schülern führst. Oder aber wertvolle Zeit mit deiner Familie und Freunden verbringst.

Dazu kommen andere Kosten, die schwerer zu greifen sind. Die Datei „Mitglieder_2026_final_NEU.xlsx“ existiert in drei Versionen auf zwei Laptops. Die Datenpflege ist schwierig und zeitaufwendig. Gesundheitsangaben und Kinderdaten liegen unverschlüsselt auf einem Rechner. In der Eltern-WhatsApp-Gruppe sieht jeder die Telefonnummer von jedem, was datenschutzrechtlich mindestens heikel ist. Und der teuerste Punkt von allen: Du siehst nicht, was gerade passiert. In meinem letzten Beitrag über Retention habe ich beschrieben, warum Schüler kündigen. Erst kommen sie seltener, dann gar nicht mehr und schließlich liegt die Kündigung im Emailpostfach oder auf dem Empfangstresen "Wir haben uns entschieden aufzuhören." Dieser Satz hätte vermieden werden können. In einer Excel-Liste bemerkst du dies erst, wenn es zu spät ist. Das geht auch anders.

Eine Gegenüberstellung

Um greifbar zu machen wie sich der Alltag in deiner Kampfkunstschule verändert, stell dir einen ganz normalen Monat in deiner Schule vor. Einmal so, wie es heute in deiner Schule läuft, und einmal mit einem digitalen Interface, in dem alle Informationen an einem Ort zusammenlaufen.

  Mit Excel, Ordner & Co. Mit Software (budoo.one, Magic Line usw.)
Probetraining-Anfrage Landet im Postfach, Antwort am Dienstag, Interessent hat längst woanders angefragt Sofortige Bestätigung, Termin im Kalender, Erinnerung am Vortag
Neuer Vertrag Ausdrucken, unterschreiben, abheften, später abtippen und Kopie per Post verschicken Digital am Tablet oder von zuhause unterschrieben, Daten direkt im System, Vertrags-PDF direkt in der App
Beitragseinzug SEPA-Datei von Hand bauen, Rücklastschriften einzeln suchen Lastschriften automatisch, Kontoabgleich, Mahnwesen startet von selbst
Anwesenheit Strichliste auf dem Klemmbrett, abends abtippen oder nie oder die guten alten Stempelkarten Check-in per QR-Code in der App oder manuelles, zeitsparendes Tracking. lückenlos dokumentiert
Gürtelprüfung Trainingsstunden zählen, Zettel aushängen, Gebühren einsammeln, Quittungen schreiben Prüfungsreife sichtbar, Anmeldung und Abrechnung im System
Schüler fehlt lange Fällt niemandem auf Hinweis an den Trainer, persönlicher Anruf
Geburtstage Wenn jemand zufällig daran denkt oder automatisierte, unpersönliche Standardmail Individueller Gruß, der Trainer gratuliert auf der Matte

Keine dieser Situationen ist für sich genommen dramatisch. In der Summe entscheiden sie aber darüber, ob deine Schule sich professionell und persönlich anfühlt oder ob sie im Alltag vor allem eines ist: arbeitsintensiv und müde. Fühlt sich der Schüler wie eine Zahl in deiner Schule, bezahlst du das in Zahlen.

Was sich auf jeder Ebene verändert

Vom Feuerwehrmann zum Unternehmer: Viele Schulleiter, die ich kennenlerne durfte, verbringen ihren Tag damit, Brände zu löschen. Eine Lastschrift ist geplatzt, ein Vertrag fehlt, eine Mutter fragt zum dritten Mal nach dem Prüfungstermin. Mit einem zentralen System ändert sich deine Rolle. Du öffnest morgens ein Dashboard und siehst auf einen Blick, wie viele Interessenten diese Woche ein Probetraining hatten, wie viele davon einen Vertrag unterschrieben haben und wie sich deine Kündigungsquote entwickelt. Plötzlich triffst du Entscheidungen auf Basis von Zahlen nicht nach Bauchgefühl. Du erkennst, welche Klasse wächst und welche schwächelt und kannst entsprechend reagieren.

Die Trainer unterrichten statt Einheiten auf Karten zu zählen. Als leidenschaftlicher Sensei weiß ich, dass die wertvollsten Minuten eines Trainers die sind, in denen er wirklich bei seinen Schülern ist. Jede Minute mit überflüssigen Aufgaben fehlt genau dort. Wenn Schüler sich per QR-Code selbst einchecken, wenn Trainingspläne und Unterrichtsinhalte digital geteilt werden und wenn das System meldet, dass jemand seit drei Wochen fehlt, dann bekommen deine Trainer etwas zurück, das sich nicht kaufen lässt: Zeit für Aufmerksamkeit für die Schüler. Der Anruf beim fehlenden Schüler bleibt persönlich. Das System sorgt nur dafür, dass er nicht vergessen wird.

Der Monatsfünfte verliert seinen Schrecken, wenn dir nicht jedes Mal vor der Flut der Rücklastschriften graut. Ich kenne Schulleiter, die Lastschrift fürchten wie eine Prüfung. Es gibt Schulen, die beschäftigen mehrere Angestellte für die Abwicklung der Buchhaltung. Und das jeden Monat weider. Lastschriften erstellen, Kontoauszüge durchgehen, Rücklastschriften zuordnen, Mahnungen schreiben. Wenn SEPA-Einzüge automatisch laufen, das Konto direkt abgeglichen wird und das Mahnwesen nach festen Regeln startet, wird aus einem halben Arbeitstag ein kurzer Blick auf eine Übersicht. Rechnungen für Prüfungsgebühren oder verkaufte Ausrüstung entstehen nebenbei. Und wenn du Unterstützung im Büro hast, kann diese Person endlich eigenständig arbeiten, ohne dass du jede Zelle erklären musst.

Die größte Veränderung spüren am Ende aber deine Schüler. Eltern sehen Kurszeiten, Neuigkeiten und Prüfungstermine in einer App statt in einer Gruppe mit 150 Nachrichten zu suchen. Schüler bereiten sich von zuhause mit Videos und Unterlagen auf ihre nächste Gürtelprüfung vor. Kleine Gamification Tools wie budoo points, Ranglisten und kleine Erfolge machen Fortschritt sichtbar. Gerade für Kinder ist das ein enormer Motivationsschub. So entsteht genau das Gefühl, um das es in der Kampfkunst geht: Hier wird das Individuum gesehen.

Die Angst ist größer, als die Gefahr

So kann man es auf den Punkt bringen, wenn es darum geht, die Dinge in die Tat umzusetzen. Die häufigste Sorge, die ich höre: „Timo, das klingt gut, aber ich habe keine Zeit, alles umzustellen.“ Ich verstehe das. Aber niemand verlangt, dass du an einem Wochenende deine komplette Schule neu erfindest. Die Schulen, die den Wechsel am entspanntesten meistern, gehen Schritt für Schritt vor. Sie räumen vorher ihre bestehenden Listen auf, damit keine Altlasten mitwandern. Sie beginnen mit dem Bereich, der am meisten Zeit frisst, meistens Termine, Verträge und Beiträge. Und sie wählen einen ruhigen Zeitpunkt für die Umsetzung, also nicht gerade den Februar oder den September, wenn die Schule boomt.

Genauso wichtig ist dein Team. Hol deine Trainer früh ins Boot und zeig ihnen, welche Arbeit ihnen das System abnimmt, statt ihnen nur eine neue Pflicht zu verkünden. Und nimm das Thema Datenschutz ernst, gerade weil du mit Kinder- und Gesundheitsdaten arbeitest. Achte auf Hosting in Deutschland, einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach DSGVO, verschlüsselte Daten und klare Rollen, damit jeder Trainer nur das sieht, was er wirklich braucht. Das ist mit einer professionellen Lösung deutlich einfacher umzusetzen als mit einer Excel-Datei auf einem privaten Laptop. Wir haben dafür in einem unserer letzten Updates die Mitarbeiterrolle "Helfer" implementiert, sodass Assistenten und Hilfstrainer bei z.B. der Anwesenheit helfen können.

Nehme außerdem die Eltern und Schüler in diesen Prozess mit auf. Es ist unbedingt nötig ist, sowohl die Schüler als auch die Eltern "umzuerziehen" bzw. sie immer wieder an die neuen Möglichkeiten zu erinnern und sie darauf zu verweisen, die neuen Prozesse zu respektieren. Denn im Endeffekt geht es genau um sie: Fokus auf den Unterricht und auf den Schüler. Das Produkt einer professionellen und herausragenden Kapfkunstschule.

Fazit: Am Ende bereut es keiner

Excel hat vielen Schulen über Jahre treu gedient und dafür verdient es Respekt. Es ist einfach und arbeitet mit simpler Mathelogik. Aber eine Kampfkunstschule ist heute ein kleines Unternehmen mit Verträgen, Finanzen, Marketing, Kommunikation und vor allem mit Menschen, die begeistert und geschult werden wollen. Ein System, das all das zusammenführt, nimmt dir nichts von dem weg, was deine Schule besonders macht. Es gibt dir die Zeit zurück, genau das zu tun. Mein Appell an alle Schulleiter: „Schau dir an, wie viele Stunden manuelle Arbeit du wöchentlich für Arbeit aufwendest, die du vielleicht mit digitalen Lösungen vereinfachen kannst. Und dann frag dich, was du mit dieser Zeit auf der Matte bewegen könntest.“ Und ganz ehrlich: ich habe noch keinen Schulleiter erlebt, der diesen Schritt bereut hat und zu Listen und Ordnern zurück wollte.

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