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Netzwerktreffen 2026: Kampfkunstschulen werden in der Zukunft wichtiger denn je

Timo Herzberg 7 Min. Lesezeit
Netzwerktreffen 2026: Kampfkunstschulen werden in der Zukunft wichtiger denn je

Finanzielle Strategien, außergewöhnliche Abschlussquoten und ein fundierter Blick in die Zukunft: Beim Netzwerktreffen des Berufsverbandes für Kampfkunstschulen am 2. Oktober 2026 in Nürtingen trafen unternehmerische Erfahrung, neue Technologien und die traditionellen Werte der Kampfkunst aufeinander. Eine Erkenntnis zog sich durch den gesamten Tag. Die Zukunft unserer Branche bietet mehr Chancen, als viele vermuten.

Voneinander lernen, miteinander wachsen

Unter diesem Leitgedanken lud der Berufsverband für Kampfkunstschulen e. V. Schulleiter, Unternehmer und Mitarbeiter professioneller Kampfkunstschulen nach Nürtingen ein. Der Verband versteht sich als Interessenvertretung und Netzwerk für professionell geführte Schulen im deutschsprachigen Raum. Sein Ziel ist es, Wissen zu teilen, professionelle Strukturen zu fördern und die gesellschaftliche Bedeutung der Kampfkunst zu stärken. Präsident ist Thomas Geiger, der selbst seit Jahrzehnten erfolgreich Kampfkunstschulen führt. Moderator und Kampfkunst-Experte Stefan Roitner führte durch ein Programm, das von Finanzen und Vertrieb bis zu künstlicher Intelligenz und Zukunftsforschung reichte.

Finanzielle Kompetenz als Fundament

Den Auftakt machte Marcel Vogt mit seinem Vortrag „Finanzamt K. O. - Legale Strategien für Kampfsportschulinhaber“. Seine zentrale Botschaft lautete, vorhandene finanzielle Spielräume rechtssicher und langfristig sinnvoll zu nutzen. Vogt zeigte, wie steuerlich begünstigte Sachbezüge wie Tankgutscheine, betriebliche Gesundheitsförderung oder betriebliche Altersvorsorge die Vergütung attraktiver machen und Mitarbeiter stärker an die Schule binden. Ein weiterer Schwerpunkt war die passende Rechtsform. Ob Einzelunternehmen, Personengesellschaft, GmbH oder eine Holding sinnvoll ist, hängt von Größe, Entwicklung und Zielen des Unternehmens ab. Steuerliche, rechtliche und betriebswirtschaftliche Aspekte müssen dabei gemeinsam betrachtet werden. Abschließend ging Vogt auf den Vermögensaufbau ein, etwa durch Immobilien oder ETFs innerhalb einer GmbH. Seine Anregungen lassen sich gemeinsam mit einem Steuerberater oder Finanzberater auf die eigene Situation übertragen.

78 Abschlüsse aus 80 Anmeldegesprächen

„10 Prozent mehr Abschlüsse“ lautete das Versprechen, mit dem Stefan Roitner den nächsten Vortrag ankündigte. Thomas Geiger, seit mehr als drei Jahrzehnten Inhaber der Kampfkunstschule Geiger, und Nicole Marschall von PAZURU zeigten, wie stark professionelle Prozesse über den Erfolg einer Schule entscheiden. Geigers Botschaft war eindeutig. Nicht die Anzahl der Interessenten ist entscheidend, sondern die Qualität, mit der sie betreut werden. Er selbst hat die Abläufe in seinen Schulen kürzlich grundlegend überarbeitet und seine Abschlussquote deutlich gesteigert. Wichtige Impulse dafür kamen von Ira Paul, Gründerin des Kinderkonzepts von PAZURU, und Nicole Marschall, die dort als Führungskraft im Kinderbereich und in der Organisation tätig ist. PAZURU verbindet Kampfkunst mit Persönlichkeitsentwicklung und stellt die Stärkung von Kindern, ihr Selbstbewusstsein und eine positive Lernatmosphäre in den Mittelpunkt. Besonders aufhorchen ließ eine Zahl: Aus 80 Anmeldegesprächen entstanden 78 neue Mitgliedschaften, eine Abschlussquote von 97,5 Prozent. Eine solche Quote ist nicht ohne Weiteres auf jede Schule übertragbar. Sie zeigt jedoch, was möglich ist, wenn ein hochwertiges Unterrichtskonzept auf einen durchdachten Interessentenprozess trifft. Dieser Prozess beginnt nicht erst im Beratungsgespräch. Er umfasst den gesamten Weg vom ersten Kontakt über die Terminvereinbarung und das Probetraining bis zur Anmeldung. Vertrauen, Verbindlichkeit und klare Kommunikation machen dabei den Unterschied.

Wie budoo.one den Anmeldeprozess unterstützt

Besonders gefreut hat mich, dass Nicole Marschall in diesem Zusammenhang die Rolle von budoo.one hervorhob. Unsere Plattform begleitet Interessenten mit automatisierter Kommunikation schon vor dem ersten Besuch. Individuelle Vorlagen für Nachrichten und Videos werden etwa nach einer Anfrage oder vor einem Probetraining automatisch versendet. So erhalten Interessenten die passenden Informationen genau dann, wenn sie sie brauchen. Das schafft Vertrauen, reduziert Unsicherheit und hinterlässt einen positiven ersten Eindruck. Gleichzeitig gewinnen Mitarbeiter Zeit für die persönliche Betreuung. Nicole Marschall bezeichnete diese Möglichkeiten als großen Mehrwert für den Anmeldeprozess von PAZURU. Für mich ist das eine schöne Bestätigung unserer Philosophie: Technologie ersetzt menschliche Beziehungen nicht, sondern stärkt sie.

Zukunftsforschung: Nicht schlimmer, nur anders

Nach der Mittagspause folgte das Highlight der Veranstaltung. Dr. Harald Köpping Athanasopoulos ist Head of Future Intelligence beim 2b AHEAD ThinkTank in Leipzig, einem der führenden unabhängigen Zukunftsforschungsinstitute Europas. Das Institut untersucht mit wissenschaftlichen Studien, Experteninterviews und systematischen Trendanalysen technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen. Ziel ist nicht, die Zukunft vorherzusagen. Es geht darum, Entwicklungen früh zu erkennen und daraus Entscheidungen für die Gegenwart abzuleiten. Der Vortrag war wissenschaftlich fundiert und von einem wohltuenden Optimismus geprägt. Die Message lautete:

„Die Zukunft ist nicht so schlimm, wie viele denken. Nur anders.“

Ein zentrales Thema war die Entwicklung künstlicher Intelligenz, von heutigen spezialisierten Anwendungen bis zu einer möglichen allgemeinen künstlichen Intelligenz, oft als AGI bezeichnet. Ebenso ging es um Fortschritte in Diagnostik, personalisierter Medizin und Biotechnologie sowie um Quantencomputer und leistungsfähige Rechenzentren. Wahrscheinlich wird nicht jedes Szenario exakt so eintreten, aber... wer Veränderungen neugierig und offen begegnet, kann sich besser auf sie vorbereiten.

Die Zukunft mit Kinderaugen sehen

Einen Gedanken gab Athanasopoulos seinen Zuhörern besonders mit: Wir sollten die Zukunft öfter durch die Augen von Kindern betrachten. Erwachsene denken bei neuen Technologien zuerst an Risiken und Unsicherheiten. Kinder sehen vor allem Möglichkeiten, etwa Roboter, die das Kinderzimmer aufräumen, oder Assistenten, die lästige Aufgaben übernehmen. Richtig eingesetzt kann Technologie uns mehr Zeit für Familie, Beziehungen und Kreativität verschaffen. Auf die Frage, was er Kindern heute mitgeben würde, nannte er drei Fähigkeiten:

  1. Erstens sollten sie ihre eigene Leidenschaft entdecken und herausfinden, wofür sie wirklich brennen.
  2. Zweitens sollten sie den souveränen Umgang mit künstlicher Intelligenz lernen, sie also verstehen, kritisch hinterfragen und sinnvoll einsetzen.
  3. Drittens sollten sie zwischenmenschliche Fähigkeiten entwickeln. Empathie, Kommunikation, soziale Kompetenz und Charakterstärke behalten in einer automatisierten Welt ihren besonderen Wert.

Die Schule der Zukunft könnte eine Charakterschule sein

Hier entsteht eine direkte Verbindung zur Kampfkunst. Unser Bildungssystem ist noch immer stark auf Wissensvermittlung und Abfragen ausgerichtet. Wenn künstliche Intelligenz Wissen jederzeit verfügbar macht, muss Bildung stärker auf menschliche Fähigkeiten, Werte und soziale Kompetenzen setzen. Die Schule der Zukunft könnte damit zu einer Charakterschule werden. In guten Kampfkunstschulen ist genau das bereits heute pädagogischer Alltag. Respekt, Disziplin, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen, Verantwortungsbewusstsein und Empathie sind zentrale Bestandteile moderner Kampfkunstpädagogik. Mark Leo Lemmens von LEMMENS Martial Arts, einer der Qualitätsführer unter den deutschen Kampfkunstschulen, sieht darin eine große Chance für die Branche:

„Das Zwischenmenschliche in der Kampfkunst ist unersetzbar. Die Empathie und das Fingerspitzengefühl eines guten Sensei sind für das Begleiten auf dem Kampfkunstweg unerlässlich. Unsere Arbeit in der Kampfkunst, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen zu ihren persönlichen Zielen zu verhelfen, wird immer bestehen bleiben und darüber freue ich mich sehr.“

Eine KI kann Trainingspläne erstellen, Bewegungen analysieren und Organisatorisches übernehmen. Die Unsicherheit eines Kindes vor seiner ersten Gürtelprüfung nachempfinden, den richtigen Moment für ein ermutigendes Wort erkennen oder das über Jahre gewachsene Vertrauen zwischen Lehrer und Schüler ersetzen, kann sie nicht. Technologie kann unterstützen, die menschliche Beziehung bleibt der Kern.

Fazit: Ein Treffen, das Mut macht

Das Netzwerktreffen 2026 hat gezeigt, wie eng wirtschaftlicher Erfolg, technologische Entwicklung und menschliche Werte zusammenhängen. Marcel Vogt unterstrich die Bedeutung finanzieller Kompetenz, Thomas Geiger und Nicole Marschall das Potenzial professioneller Prozesse. Dr. Harald Köpping Athanasopoulos eröffnete eine Perspektive, die weit über unsere Branche hinausreicht. Für Kampfkunstschulen liegt darin eine doppelte Chance. Sie können neue Technologien nutzen, um effizienter zu arbeiten, und zugleich ihre größte Stärke ausbauen: die persönliche Begleitung von Menschen. Meine eigene Haltung dazu fasse ich gern so zusammen:

„Ob man sie mag oder nicht, die Zukunft wird kommen. Lieber voranlaufen, als hinterherhinken.“

Unsere Branche braucht Offenheit für Innovation, unternehmerisches Denken und zugleich ein klares Bewusstsein für die Werte der Kampfkunst. Besonders wertvoll war die Bereitschaft aller Teilnehmer, Erfahrungen offen zu teilen. Davon profitiert nicht nur die einzelne Schule, sondern die gesamte Branche. Mein herzlicher Dank gilt dem Berufsverband für Kampfkunstschulen, den Organisatoren, Moderator Stefan Roitner sowie allen Referenten und Teilnehmern. Je digitaler unsere Welt wird, desto wertvoller wird das, was uns menschlich macht.

Weitere Infos findet ihr hier: Den Berufsverband für Kampfkunstschulen findet ihr unter www.berufsverband-kampfkunstschulen.de und die Zukunftsforschung von 2b AHEAD unter www.2bahead.com

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